Eheprobleme – was tun?
Ich bin seit 2019 verheiratet, und es fühlt sich an, als wäre ich schon 20 Jahre in dieser Beziehung. Die Vorfreude, den Alltag gemeinsam zu verbringen und Zeit zu Hause zu geniessen, wich schnell einer anderen Realität. Mein Mann verwandelte sich in ein nörgelndes Kontroll-Monster. Plötzlich machten mein Sohn und ich nichts mehr richtig: Die Türgriffe klebten, wir schauten zu oft fern, standen zu früh auf und waren entweder zu verplant oder unfähig. Sogar unsere zwei Katzen machten alles falsch. Mein Mann sagte: “Die Katzen sind immer am Kacken, wenn ich meine Zähne putze.” 🙂 Auf Schweizerdeutsch hört sich das noch viel lustiger an: “Die huuere scheiss Viecher sind schon wieder am Kacke”. Ich bin fest überzeugt, dass meine Katzen genau wussten, was sie tun. Nach über 5 Jahren fühlte es sich an, als würde sich die Schleife der Ehe immer enger um meinen Hals ziehen.
Problem
Die Situation eskalierte, und ich fand mich in einem emotionalen Dilemma wieder. Die Gedanken, meinen Mann während seiner Schlafenszeit mit einer Gusseisenpfanne zu erschlagen oder aus der Wohnung auszuziehen, schwirrten in meinem Kopf. Mein Mann kam nach Hause, kritisierte uns und wollte zum krönenden Abschluss noch Sex. Seine Bedürfnisse nach Sex waren unbefriedigt. Meine Bedürfnisse nach Anerkennung, lass mich bloss in Ruhe und Gemeinsamkeiten, waren ebenfalls unbefriedigt. Irgendwann verspürte ich ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Mann, seine sexullen Bedürfnisse nicht erfüllen zu können. Also tat ich meine Pflicht. Bis zu dem Zeitpunkt der Erleuchtung, als ich feststellte, dass meine Bedürfnisse weiterhin unbefriedigt blieben und seine erfüllt wurden. Ich glaube der Mutter-Teresa-Komplex überkam mich. Daraufhin habe ich eine Abneigung gegen ekliges, klebriges Sperma entwickelt und verspürte den Drang mich für 20 Minuten unter die heisse Dusche zu stellen.
In Gesprächen mit meiner Mama und anderen Frauen, ob ich vielleicht eine sexuelle Funktionsstörung mit über 40 habe, ergab sich Folgendes:
Bei meiner Mama trat eine Samstag Abend Phobie auf. Nach dem Krimi kam das neckische Grinsen meines Vaters mit dem vernichtenden Satz: “Wollen wir ins Bett gehen?”. Meine Mama hoffte, dass die Samstagskrimis kein Ende fanden, doch das Gegenteil war der Fall. Sie endeten. Und sie endeten zu schnell. Samstagskrimi vorbei, ab ins Bett und den Rest könnt ihr euch denken.
Kürzlich erzählte mir ein Mann, dass er seit 3 Jahren keinen Sex hat. Oha. Aus Höflichkeit habe ich mir die Litanei der sexuellen Unzufriedenheit angehört. Ist Männern eigentlich bewusst, dass Frauen ab 40 uns denken könnten: Hey
a) die Fabrik ist geschlossen
b) 1000 Gedanken die ich zu erledigen habe, gehen mir gerade durch den Kopf
c) Schatz, gibt’s ne Alternative zu Schema F und dem immer gleichen Ablauf?
Letztendlich entschied ich mich, auszuziehen. Ich wollte meine Freiheit zurück, in Wollsocken vor dem Fernseher liegen, Kekse in mich hineinstopfen, ausprobieren wie lange ich das Wachstum meiner Körperbehaarung aushalte und rauchen ohne verurteilt zu werden. Diese Entscheidung war nicht einfach, aber ich wusste, dass ich für mein eigenes Glück verantwortlich bin. Die Reaktionen aus dem Freundeskreis waren gemischt – viele schienen erschrocken zu sein. „Echt Ramona, du bist ausgezogen?“ Andere, insbesondere Frauen, beneideten mich und gratulierten mir zu diesem Schritt. Und ich mir selbst auch.
Lösung
Seit Februar wohne ich nun alleine mit meinem Sohn, und mein Verhältnis zu meinem Mann erlebt den zweiten Frühling. Wir nutzen unsere gemeinsamen Momente, kochen, lachen und geniessen die Zeit miteinander. Wenn er mir auf die Nerven geht, schicke ich ihn einfach aus meiner Wohnung. Und esse Kekse auf meiner Couch.
Wichtig ist, dass wir ehrlich miteinander umgehen. Eine Scheidung war für mich keine Option; es wäre der bequemste Weg gewesen. Stattdessen haben wir neue Wege eingeschlagen. Wir haben zwar keine Hobbys – wie auch? Er ist absolut unsportlich und ein Arbeitstier. Daher überlege ich, ihn zum Nackt Yoga anzumelden – natürlich in einer Gruppe mit älteren Männern und beharrten Frauen über 65, um sicherzustellen, dass ich die Aufmerksamkeit behalte! Das Projekt Körperbehaarung habe ich beendet.
Manchmal ist es notwendig, einen Schritt zurückzugehen, um dann fünf Schritte nach vorne zu gehen. Unabhängig von den Meinungen anderer. Sex ist nicht der Sinn, um eine Beziehung am Leben zu erhalten, sondern wieder echte Nähe zu spüren und zueinander zu finden. Denn liebe Männer: Eine Beziehung besteht nicht nur aus Sex. Und Frauen haben Hormone und eine Menopause. Ich verbinde Kopf mit Herz und vertraue darauf, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.
Fazit
Eheprobleme sind komplex und individuell, aber es gibt Wege, sie anzugehen. Manchmal kann eine räumliche Trennung helfen, um Klarheit zu gewinnen und die Beziehung zu verbessern. Jeder sollte den Mut haben, für sein eigenes Glück zu kämpfen und neue Wege zu beschreiten, unabhängig von den gesellschaftlichen Erwartungen. Und ich liebe meinen Mann – mit all seinen Ecken und Kanten. Mittlerweile.